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Rundgang

Vater trank Kaffee, ich trank Orangensaft. Er saß mir gegenüber im morgendlichen Sonnenlicht mit geschlossenen Augen und war wieder an dem Ort, an den ich ihm niemals folgen würde können. Als sich seine Lider wieder öffneten, zeigte ich ihm den kleinen Schnitt am Unterarm, den ich mir gestern im Meer durch eine Muschelschale zugezogen hatte. Er blickte darauf und dann auf seine Kaffeetasse und sagte: „Du musst besser aufpassen. Das Meer zieht einem ganz leicht die Beine weg.“ Danach schloss er sich wieder und saß in der Sonne. Ich stellte mir vor, er sei eine griechische Steinstatue, die stolz und schön da stand, aber auf kein Rufen von mir reagieren würde, da kein Leben in ihr wohnte. Mein Magen schmerzte bei jedem weiteren Schluck Orangensaft. Aus Angst, er würde genervt reagieren, wich ich ihm den restlichen Morgen aus.
Am Mittag machte Vater einen Spaziergang durch die Parks der Hotelanlage und ich durfte mitkommen. Mit seinem großen Sonnenhut sah er aus wie der Züchter all dieser prächtigen Pflanzen. Ich beobachtete ihn, wie er über die weiten, englisch geschnittenen Rasenflächen flanierte und des öfteren anhielt, um eines der bunten Gewächse genauer anzuschauen. Es war ein Genuss für mich, ihn so zu sehen, da ich mir vorstellte, der Blumenkelch zu sein, den sich Vater gerade ansah, den er sachte berührte und an dem er roch. Mit der scharfen Kante der Muschelschale, die ich seither in der Hosentasche getragen hatte, fuhr ich den roten Strich auf meinem Unterarm entlang und öffnete meine Wunde wieder. Auf dem Weg zum Strand zeigte ich ihm nochmals meinen Unterarm und er legte die besorgte Mine auf, die ich so an ihm liebte. „Das sieht aber nicht gut aus! Komm, wir holen für dich ein Pflaster.“, sagte er und wir gingen gemeinsam zur Rezeption, wo er für mich ein Pflaster besorgte, das er mir fürsorglich auf die Wunde klebte. Beim erneuten Gang zum Strand erschauderte ich jedes Mal wohlig, wenn ich dachte, dass er mich durch seine dunklen Gläser anschaute.

Benz

20.7.11 14:33
 


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