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Messias

Speichel sammelt sich in meinem Mund. Es wird immer mehr, ich versuche es aufzuhalten, aber ich kann nicht. Gegen die Tyrannei des Lebens kann ich nicht aufbegehren. Wenn ich schlucke, dann schmerzt mein ganzer Körper, wie ein alte Wunde. Ich versuche mich abzulenken, ich denke an die Zeit vor der Zeugung zurück und verliere mich im UnSein.
In mir ist es wieder ruhiger und nach wenigen Minuten kann ich die Augen öffnen. Die Stadt verschluckt mich und versucht mich zu verdauen und ich muss all meine Kraft aufbringen, um nicht ein Teil zu werden.Doch ich werde nicht verdaut, ich wehre mich und ich habe die Kraft. Ich wurde berührt, ich blicke um mich und ich sehe das Problem. Alles wirbelt und verändert und nichts besteht und alles wird neu und die Hektik ist der König und das Chaos der Thronfolger. Das darf nicht sein, es kann nur einen König geben und er hat mich berufen die Ordnung wiederherzustellen. Und das Experiment muss beendet werden. Alles verändert und ich stehe inmitten und ich kann nicht vergessen, dass ich dazu gehöre. Sie laufen und atmen und schwitzen und sind und ich bin auch! Es erscheint mir nicht klar, es wird mir nicht deutlich, ich kann nicht fassen, dass ich auch einer von diesen sein muss. Aber ich fühle es, ich fühle es jede einzelne verdammte ewige Sekunde, diese monströse Schuld der Lebendigkeit. Ich trage sie, wie all die anderen hier, und ich bin der Büßer, ich Büße für sie mit jedem Bissen den ich zerkaue und verdaue und wenn ich scheiße und wenn ich atme und wenn ich bin und bleibe, dann Büße ich und lade doch noch viel mehr von dieser Schuld auf mich. Und sie zerfrisst mich, und sie nagt an meinen Knochen, von Innen heraus und ich frage mich immer deutlicher, wieso SIE DAS DENN GOTTVERDAMMTNOCHMAL NICHT FÜHLEN.

Ich bin der verfluchte Menschensohn!

Auf der Straße laufen sie alle und sie ahnen nichts von ihrer Schuld und ihrem Leiden und dem Leiden aller anderen hier und ich sehe, ich sehe deutlich vor mir, was zu tun ist, dass ich es bin, der handeln muss, der sie aufwecken muss, an ihnen rütteln muss, bis ihnen ihre Lebendigkeit wie Saft aus dem Leib gepresst wird. Ich spüre und ich weiß, dass es in mir ist! Also stehe ich nun auf der Straße, alles hält inne und sieht mir zu, mir Engel der Erleuchtung und ich bin gnädig und ich werde sie Erleuchten und ihnen den Weg aus all dem Elend zeigen. Ich stehe da, ich stehe und ich öffne mein Hemd, einen Knopf nach dem anderen. Meine weiche, vor Schweiß glänzende Haut reckt sich in die Sonne und hat doch gar keinen Grund dazu. Alle halten sie an und sehen gebannt und ehrfürchtig meine Hand, wie sie das Messer umklammert, wie sie es an den Bauchnabel richtet und ich höre nichts mehr, denn alles, die ganze Welt hält den Atem an und erwartet die Erlösung. Meine Hand zittert und ich habe Angst, ich habe Angst vor dem Schmerz, ich hab Angst vor dem Messer und vor dem Ende. Ich falle auf die Knie, beinahe bin ich zu schwach, beinahe kann ich nicht mehr, beinahe erdrückt mich die Last, die schon seit meiner Zeugung auf mir liegt und meinen Körper hier an diese Erde drückt. Mir fehlt dir Kraft die Klinge anzusetzen, ich drücke sie so weit wie nur irgend möglich von mir weg und ramme sie dann in meinen verhungerten Bauch. Alle ist still und alle auf diesem infizierten Planeten hören meinen rohen Schrei. Doch nur einen Moment versucht der Schmerz mich zu verschlingen, dann verschlinge ich den Schmerz. Und die Dunkelheit und das Nichts und das Vergessen und die Stille quillt aus meinem offenen Bauch und das letzte, was ich sehe, sind die Gesichter der Menschen und die Erkenntnis darin. Und ich weiß, dass es nun endlich vorbei ist. Und die Welt geht aus.


Buchner

14.5.11 12:54
 


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