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Klassentreffen I

Die Tür öffnet sich nur langsam, als wäre sie es, die zögert. Niemand sieht zu ihr, zu dem Mann der den Raum betritt, doch er duckt sich trotzdem unwillkürlich. Unscheinbar sieht er sich um, zieht er sich seine Jacke aus, sieht er den Tisch, zieht es ihn darauf zu. Alle anderen sind schon da. All die alten Geister, die er niemals rief. Die von selber kamen. Früher. In der Schule. Vielleicht weiß er das gar nicht so genau, vielleicht ist das alles unterbewusst, vielleicht bemerkt er es nicht. Doch ganz tief, in ihm drin, da wo er selten hinsieht, da macht er sie alle dafür verantwortlich. Dafür, dass er die Stelle nicht bekam. Dafür, dass sie ihn verlassen hatte, seine Freundin, vor einem halben Jahr. Und vor allem dafür, dass er jede einzelne Sekunde in der Schule gehasst hat, dass es für ihn die ganz persönliche Hölle war. Auch wenn er das vielleicht nicht so genau weiß, er weiß von seiner Wut auf sie. Die alten Klassenkameraden. Die ihn demütigten, so oft, so oft. Er wäre wahrscheinlich nicht gekommen, ohne diese Wut. Er hat seine Rache geplant. Lange, lange bevor er überhaupt die Einladung zu diesem Klassentreffen bekam, hat er schon an die Rache gedacht. Er wollte sie Leiden sehen. So wie er früher litt und er will zusehen, so wie sie immer zusahen. Alle. Alle von ihnen. Entschlossen geht er auf den Tisch zu. Nein. Nein, er duckt sich nicht mehr. Nein, er hat keine Angst mehr. Nein, er ist nicht mehr der kleine Hansi, der immer gleich heult und klein beigibt. Er ist am Tisch, er steht vor ihnen, vor ihnen allen. Er reist sich zusammen, gleich legt er los, gleich macht er sie fertig.

„Hallo Heul-Hansi! Hast dus auch geschafft? Nichts für ungut großer!“ Die Stimme zerschneidet jedes Band, das ihn aufrecht gehalten hat. Er stürzt in sich zusammen, er ist der Geduckte, der Heul-Hansi, er ist wieder 14. Nichts kommt mehr von ihm, er dreht sich um, Tränen in den Augen und er weiß, er wird immer der kleine Junge bleiben. Niemals wird er aufstehen. Niemals wieder!

 

Buchner

19.1.11 21:04
 


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