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Der Fahrrad Krimi

 Es ist etwas furchtbares passiert!

Mein geliebtes, „fliegendes“ Fahrrad wurde geklaut!
Geraubt, gestohlen, entwendet. Diebstahl!

Ein schwerer Schlag, schließlich war es ja nicht irgendein Fahrrad, unzählige Kilometer hat es mich begleitet, großartige Momente habe ich mit ihm zusammen erlebt. Fahrradtouren bestritten, Rekorden nachgejagt - ein Großstadt Guerillia auf den Straßen von Berlin.
Und bis zum letzten Tag waren wir immer schneller als die BVG!

Aber auch der schönste Traum irgendwann ausgeträumt. Willkommen in der Wirklichkeit!
Diese fühlte sich erstmal reichlich beschissen an.
Fassunglos und wie vom Blitz getroffen stand ich nun am Bahnhofsgebäude von Haarlem und blickte auf das zurückgebliebene Schloß wie auf einen Außerirdischen, während der eiskalte Regen langsam auf mein Haupt nieselte.


But the Show must go on.
Nach einem sinnlosen Besuch beim Polizeirevier und einem Rückweg voller Frust und Regen richtete ich den Blick wieder nach vorne, ein neues Fahrrad musste her!
Dieses Vorhaben wollte ich heute in die Tat umsetzen.
Als Bayern Fan erlebe ich derzeit sehr gut, dass man eine Legende nicht einfach sofort gleichwertig ersetzen kann. Nach dem Abgang von Oilver Kahn irrt nun Michael Rensing durch den Münchener Strafraum. Eben kein neuer Kahn, sondern nur ein Rensing.
Für´s erste reicht allerdings auch mir ein Rensing - das neue Fahrrad sollte vorallem eines sein: günstig.
So ein günstiges Fahhrad bekommt man am besten auf dem Schwarzmarkt.
In Amsterdam, wo es angeblich fast soviele Fahrräder wie Einwohner gibt, verschwinden jeden Tag unzählige von ihnen.
Das Schöne am Geldausgeben ist, das es ja nicht weg ist - es ist nur woanders. Und so verhält es sich ja auch mit meinem Fahrrad - sollte da etwa so etwas wie Hoffnung in mir aufkeimen?

Wenn etwas geklaut wird, taucht es irgendwo wieder auf.
Auf dem Schwarzmarkt.
Diesen Schwarzmarkt galt es zu konsultieren.

So ein Trip in die Unterwelt will gut geplant sein. Man kann da nicht so einfach reinmarschieren wie in einen Media Markt.
Ich bereitete mich vor: 3 Tage Bart, Lederjacke, böser Blick.
Die Sonne verschwand gerade hinter den Häusern als ich mich aufmachte, am Himmel kreischten die Möwen.
Ich war auf alles vorbereitet, selbst zu einem Kampf bereit. Natürlich ist die Chance lächerlich klein, aber was wenn ich einen Schwarzmarkt Repräsentanten mit
meinem Fahhrad erwische?


Angekommen in Amsterdam-Centraal sah ich mich mit der ersten Hürde konfrontiert.
Natürlich gab es nirgendwo ein Schild mit der Auschrift „zum Schwarzmarkt bitte hier entlang“.
Auch die Passanten, welche ich danach fragte, schienen eher Angst vor mir zu haben, als dass sie mir verwertbare Tipps gaben.
Nein, ich musste die bürgerlichen Pfade verlassen, tiefer in die Unterwelt hinabtauchen.
Meine Suche begann -wo auch sonst- im Rotlichtviertel. Der beste Tummelplatz für zwielichtige Gestalten und schnelle Geschäfte.
Die Luft war kalt, die Dunkelheit hatte sich wie eine schwere Decke über Amsterdam gelegt. Ich fühlte mich wie in einem Computerspiel, oder zumindestens wie in einem Kriminalroman – auf der Suche nach einem gestohlenem Fahrrad.
Statt heißer Ware sah ich aber vorerst nur nackte Schenkel in den Schaufenstern blitzen.
Von einem Flüsterer, deren Augen man hinter seiner Kapuze kaum erkennen konnte bekam ich dann aber doch einen heißen Tipp:
Die Junkies würden öfter Fahrräder stehlen, um sich von dem Erlös ihren nächsten Schuss zu geben.
Soweit so gut, aber wie findet man so ohne weiteres einen Junkie?
Man kann ja nicht einfach die Leute fragen: „Entschuldigen Sie, ich suche einen Junkie. Sind sie vielleicht einer?“
Besser ist es dann schon, die möglichst kaputt und lumpig aussehende Menschen zu fragen, ob sie wissen wo man billige Fahrräder herkriegt.
Ich hielt also Ausschau nach möglichst kaputt und lumpig aussehenden Menschen.

Was haben deutsche Kleinstadt Jugendliche und Heroin Abhängige gemeinsam?
Richtig, aus unbestimmten Gründen tummeln sie sich immer rund um den Hauptbahnhof.
Dort hin lief ich also zurück, meine Augen wie ein Radar nach zerrütteten Gestalten Ausschau haltend.
Aus den Fressbuden heraus duftete es nach warmem Gebäck und gegrilltem Fleisch. Ich war hungrig und fror. Aber nun gab es kein Zurück mehr, ich war nicht zum Vergnügen hier. Ich nahm mir vor, erst wieder den Heimweg anzutreten wenn ich ein Fahrrad in meinen Händen hielt.
Dies war allerdings kein einfaches Unterfangen. Alle Personen die ich ansprach entpuppten sich zwar als äußerst schlecht gekleidet und nicht mit den besten Zahnpflege Angewohnheiten ausgestattet, jedoch waren sie allesamt nicht Heroin abhängig und schon gar nicht im Besitz eines gestohlenen Fahrrads.
Ich verließ die beleuchteten Straßen und tauchte ein in die dunklen Gassen, in der Hoffnung dort fündig zu werden.

An einer Ecke lehnte ein Mann mit afrikanischer Herkunft. Der Schwarze! Wenn es einer weiß, dann der.
Zu meinem Verdruß entpuppte er sich allerdings als Familienvater, der gerade dabei war, seine Tochter vom Geigenunterricht abzuholen.
Where have all the Junkies gone?“ fragte ich mich verärgert und langsam ungeduldig werdend.
Ich musste meine Vorgehensweise ändern.
Der Angler springt ja auch nicht einfach ins Wasser um einen Fisch zu fangen, er benutzt einen Köder.
Und wo Würmer sind, sind die Fische auch nicht weit.
Ich begab mich auf die Suche nach dem Dealer. Oder besser gesagt, ich lief einfach möglichst langsam durch die Gassen. Einen Dealer muss man nicht suchen, er findet dich. Man muss sich nur auffällig genug verhalten.

Sogleich wurde ich bereits von einigen Herren angesprochen. Sie wollten mir Kokain verkaufen, oder wenn ich das schon nicht wolle doch zumindestens Ecstasy.
Ich wollte aber kein Ecstasy, ich wollte ein Fahhrad!
Ein Dealer wurde auf meine Nachfrage hin sogar beleidigt, schließlich sei er Drogendealer und kein Fahrraddieb...

Ich hätte nun schon fünfmal Kokain kaufen können, von einem Fahrrad aber immer noch keine Spur.
„Eigentlich unglaublich“, dachte ich mir. „Wie kann es denn bitte sein, dass man harte Drogen leichter bekommen kann als ein stinknormales Bike?“
Als ich schon fast drauf und dran war die Unterwelt wieder zu verlassen und nach einem regulären Geschäft Ausschau zu halten, sah ich ihn:
Abwesender Blick, fleckige Hose, fettige Haare. Ein Prachtexemplar von einem Junkie!
Und tatsächlich: Er führte mich zu einer Gasse, in der ein Fahrrad stand!
Er musste es nur noch abschließen, fand aber im Rausch den Schlüssel nicht. Mir wurde es langsam unbehaglich, ich hatte in der letzten halben Stunde mit den allerletzten Menschen Kontakt und nun stand ich neben diesem sabberndem Schwein und fühlte mich langsam schon fast selber so als würde ich etwas kriminelles tun.

Schließlich fand er den Schlüssel und kurze Zeit später hielt ich ein Fahhrad in meinen Händen.
Die drei 10 Euro Scheine hätte ich ihm mit einer Pinzette überreicht, hätte ich denn eine dabei gehabt.
Nach der ersten Euphorie über mein geglücktes Vorhaben und mein neues Fahrrad, folgte die Ernüchterung:
Ich hatte die Katze im Sack gekauft.
Keine Gangschaltung, keine Bremsen, nur Rücktritt.
Der Konstrukteur hätte "art design director" bei der Deutschen Wehrmacht sein können. Unlackiertes Metall, schwer wie Kruppstahl.
„Omas Gußeisenpfanne auf Rädern“, dachte ich.


Zu meiner Überraschung fuhr es sich dann aber doch ziemlich funky, aufjedenfall besser als erwartet.
Besser man kauft die Katze im Sack, als gar keine Katze“, dachte ich.
Mein Ausflug in die Unterwelt verlief also erfolgreich, auch wenn ich mein Fahrrad natürlich nicht wiedergefunden hatte.
Dennoch war ich beruhigt und froh, als ich wieder zu Hause im warmen, hell erleuchtetem Zimmer sass und die dunkle Welt voller unheimlicher Gestalten, Drogen und Hehlerware lediglich nur noch in meinen Zeilen lebendig ist.
Sicher kann man auch entspannter einkaufen, aber wenn ich zu Karstadt gegangen wäre, gäbe es auch keine Geschichte.

Pischon

31.1.10 17:31
 


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Pique (31.1.10 18:51)
Meine Güte, wie außerordentlich erzählenswert!


a (4.2.10 18:34)
die geschichte ist nicht sonderlich spannend und der titel ist äußerst einfallslos..

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