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Sieh's nicht so eng ♥

Und du steigst aus dem Auto aus, während du meine Hand nimmst und ich sehe dich und du siehst mich und der Moment ist so süß und dann so vernichtend, weil es mich durchzuckt und mich fast zerbricht. Für einen Moment, nur wie ein Blitz ist sie da, diese Angst, dich zu verlieren. Und ich würde dich nicht verlieren wegen irgendwelcher äußerer Umstände, sondern wegen mir, weil ich es vermasseln und weil ich dich überfordern und weil ich jemanden in dir wollen würde, der nicht du bist und ich würde nicht merken, dass das nicht du bist, das ich da von dir zu sein verlange und wir würden uns nicht wieder erkennen und alles, auch die gemeinsame Vergangenheit, wäre unumkehrbar beschmutzt durch die Illusion, der wir auf den Leim gegangen wären und diese Angst durchflutet mich in diesem Moment und zerbricht mich fast. Und wir stehen auf den Kirchenstufen und du schaust mich an und ich sage dir, dass ich dich liebe und ich weiß, dass es wahr ist. Ich weiß, dass es wahr ist.

Benz

31.1.11 23:22


Klassentreffen I

Die Tür öffnet sich nur langsam, als wäre sie es, die zögert. Niemand sieht zu ihr, zu dem Mann der den Raum betritt, doch er duckt sich trotzdem unwillkürlich. Unscheinbar sieht er sich um, zieht er sich seine Jacke aus, sieht er den Tisch, zieht es ihn darauf zu. Alle anderen sind schon da. All die alten Geister, die er niemals rief. Die von selber kamen. Früher. In der Schule. Vielleicht weiß er das gar nicht so genau, vielleicht ist das alles unterbewusst, vielleicht bemerkt er es nicht. Doch ganz tief, in ihm drin, da wo er selten hinsieht, da macht er sie alle dafür verantwortlich. Dafür, dass er die Stelle nicht bekam. Dafür, dass sie ihn verlassen hatte, seine Freundin, vor einem halben Jahr. Und vor allem dafür, dass er jede einzelne Sekunde in der Schule gehasst hat, dass es für ihn die ganz persönliche Hölle war. Auch wenn er das vielleicht nicht so genau weiß, er weiß von seiner Wut auf sie. Die alten Klassenkameraden. Die ihn demütigten, so oft, so oft. Er wäre wahrscheinlich nicht gekommen, ohne diese Wut. Er hat seine Rache geplant. Lange, lange bevor er überhaupt die Einladung zu diesem Klassentreffen bekam, hat er schon an die Rache gedacht. Er wollte sie Leiden sehen. So wie er früher litt und er will zusehen, so wie sie immer zusahen. Alle. Alle von ihnen. Entschlossen geht er auf den Tisch zu. Nein. Nein, er duckt sich nicht mehr. Nein, er hat keine Angst mehr. Nein, er ist nicht mehr der kleine Hansi, der immer gleich heult und klein beigibt. Er ist am Tisch, er steht vor ihnen, vor ihnen allen. Er reist sich zusammen, gleich legt er los, gleich macht er sie fertig.

„Hallo Heul-Hansi! Hast dus auch geschafft? Nichts für ungut großer!“ Die Stimme zerschneidet jedes Band, das ihn aufrecht gehalten hat. Er stürzt in sich zusammen, er ist der Geduckte, der Heul-Hansi, er ist wieder 14. Nichts kommt mehr von ihm, er dreht sich um, Tränen in den Augen und er weiß, er wird immer der kleine Junge bleiben. Niemals wird er aufstehen. Niemals wieder!

 

Buchner

19.1.11 21:04


Glück

Ich glaube wenn mich alles küsst, die Luft und das Leben und die ganze Welt, dann liegt das daran, dass sie mich küsst.

Aber wenn mich alles küsst, die Luft und das Leben und die ganze Welt, dann bemerke ich das nicht, denn sie küsst mich.

 

Benz + Buchner

16.1.11 19:46


Insel

ES ist die Insel die mich anruft,
mit lauten Trommeln und Gebrüll,
die fröhlichen Eingeborenen singen:
der Dschungel wird dein Bett sein,
die Berge dein neues Gefängnis,
der Himmel dein Dach,
die blauen Seen dein Spiegel,
und der Sand irgendwann dein Grab.
 
In aller Nacktheit WILL ich zurück,
was ich längst verlor,
zurück verlangen,
in aller Isolation,
meine alte Sprache aufgeben,
die Hände und Augen,
den Mund und die Wangen,
in neuen Rhythmen bewegen. 
 
Es ist die Insel die MICH liebt,
mehr liebt wie die Länder meiner Welt,
nicht mehr sitzen,
nicht mehr laufen,
nicht mehr tanzen,
nicht mehr rauchen,
NICHT MEHR lachen,
nicht mehr weinen,
die Seile durchschneiden,
das Gehirn zerschlagen,
die Muster VERLIEREN. 
 
Ich werde See,
Ich werde Dschungel,
Ich werde Himmel,
Ich werde Feuer,
Ich werde blau,
Ich werde grün,
Ich werde weiß,
Ich werde rot,

 

Sommer

3.1.11 00:12


Überall, nur nicht hier

Eine Weihnachtsgeschichte. Herzlich Willkommen, Sommer.

 

„Aber du bist doch erst so kurz hier. Wieso denn jetzt schon? Es gibt doch noch so vieles, was wir gemeinsam tun können. Du und ich."

Nein, ich höre dich nicht mehr und ich höre nicht mehr auf dich. Ich gehe einfach weiter, weiter weg, und die Welt um mich herum ist nicht mehr meine. Ich bilde mir ein die Pflastersteine unter meinen Sohlen zu spüren, aber während ich genauer darüber nachdenke, merke ich, dass ich ja doch nichts neues gefunden habe. Selbst jetzt ist es dasselbe wie immer. Ich sagte ihm, dass ich aufhören möchte, aber er hat es nicht verstanden. Ich sagte ihm, dass ich damit Schluss machen möchte, aber er sah mich nur verwundert an. Er sagte mir, dass ich nur an das eine denke, immer nur daran, und er hat Recht. Ich denke nicht mehr an meine Zukunft, jedenfalls nicht an eine Zukunft hier. Das Kapitel ist beendet, wie jedes andere Kapitel beendet wurde. Das Buch ist ausgelesen. Und nicht ein neues wird aufgeschlagen, sondern mit dem Lesen wird jetzt aufgehört. Raus hier. Vor die Tür sollte ich gehen, ein wenig das Wetter spüren. Wer will mir verbieten etwas anderes zu sehen?

Meine Füße tragen mich nach Hause, ich sage den Kindern Lebewohl, meine Koffer liegen gepackt auf dem großen Ehebett. Ich will nicht mehr. Ich langweile mich.

Manchmal fühle ich mich wie in einem Haus, einem großen Haus mit vielen Zimmern und ich habe manche davon betreten und in manchen habe ich gegessen, geschlafen, gelebt. Viele Jahre habe ich dort verbracht und ich habe alle Gefühle in mich aufgesogen wie ein Schwamm. Einige Zimmer, ganze Flügel des Hauses habe ich nie betreten, nur davon gehört, es nie selbst gesehen. Es wird einem gesagt: schau sie dir an. Es wird einem gesagt: bilde dich, informiere dich, entdecke neue Orte. Aber ich möchte nicht. Es interessiert mich nicht mehr. Ich will neue Orte entdecken, aber völlig neue. Wie können sie neu sein, wenn sie unter dem selben Dach liegen?

Das Haus ist mir zu eng geworden. Ich will an die frische Luft, ich will den Wind spüren, ich will Vögel hören und Wolken sehen.

Es ist mir zu stickig hier drin.

Ich setze mich aufs Bett, die Beine im rechten Winkel, die Hände auf den Knien, der Blick ist starr auf die Wand gerichtet.

Ich atme gleichmäßig und langsam.

Mein Füße streifen sich Schuhe über und treten auf den großen Korridor des Hauses.

Ich bin völlig ruhig, ich bin zufrieden.

Meine Augen erblicken die Eingangstür wenige Schritte vor mir.

Ich höre nichts mehr, spüre die Matratze nicht mehr, sehe die Wand nicht mehr.

Meine Hand greift zur Klinke und die Tür öffnet sich.

Ich beginne zu lächeln.

Mein Gesicht wird vom Hauch des Neuen umweht.

Ich verlasse die Welt.


Es ist wunderbar hier draußen.

 

 

Buchner

22.12.10 20:08


unendlich leben

Er sieht die Restlosigkeit, zum ersten Mal erkennt er das ganze Bild, sieht bis hin zum Rahmen und darüber hinaus. Er sieht den Kreis, der geschlossen ist, dort endet, wo er anfing, sieht, dass das unsere Welt in sich selbst mündet. Zuvor war er gefangen gewesen in seiner bisherigen Perspektive, in seinem kleinen Mikroskopenblick, den er nun belächelt, aber ohne Gram, sondern so, wie man ein kleines Kind belächelt. Da fühlt er sich alt, fühlt sich weise, fühlt sich heilig und rein. Es gibt nichts mehr, das er nicht kennt, und nichts mehr dass er lernen müsste. Er selbst ist, wie die Welt, die er erkannt hat, vollständig geworden, ohne einen Rest an Überfluss oder Mangel. Er steht auf einem Hügel während die Kornblumen sich im Wind wiegen und lacht in die Unendlichkeit.

Benz

14.12.10 22:39


PRESS ALT+ STRG

 

Ich atme auf, wenn dein Getöse verstummt,

du führst meine schwitzigen Hände über dich,

du schaltest mich an, nicht ich dich,

deine Augen spüre ich auf mir als wärst du in jedem Zimmer,

ich bin deine 1, und du meine 0.

 

Meine Schaltkreise sind kurzgeschlossen,

meine Drähte glühen im Rhythmus deiner,

es pulsiert, es schwillt der Strom,

Verleugne deinen Hersteller, deinen Namen

denn ich bin deine 1, und du meine 0

 

Meine Prozesse wollen Teil von dir sein,

deine Prozesse wollen in mir passieren,

Nacht, Tag, Nacht, Tag, Nacht und wieder Tag,

Dein Flimmern wirkt schnell, und im Kusse stürze ich ab,

denn ich bin deine 1, und du meine 0

 

Ja, ich atme auf, wenn dein Licht erlischt,

Berühr mich, berühr mich,

du leerer Kasten, du geliebter Kasten,

Berühr mich, berühr mich,

denn ich bin deine 1, und du meine 0

 

 

Sommer

12.12.10 22:14


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